Anderswo.

Allein in Afrika – Der Film

Anselm aus Hamburg, hat getan wovon viele noch nicht mal zu träumen wagen: Er ist drei Jahre lang, alleine mit seinem Rad, um die Welt gezogen. Nur mit dem Nötigsten im Gepäck, aber dafür mit einer ungeheuren Portion Selbstvertrauen und Mut, hat er sich den zahlreichen Herausforderungen, die so eine Reise mit sich bringt, gestellt. Das erste Jahr seiner Durchquerung Afrikas hat Anselm mit seiner Kamera festgehalten und aus dem Material ist nun ein Film entstanden. „Anderswo. Allein in Afrika.“ erzählt die unglaubliche Geschichte eines Abenteuers mit dem Rad durch einen fremden Kontinent, die tiefer geht als die meisten sich vorstellen können. Mit seinem Film nimmt Anselm den Zuschauer mit auf seine Odyssee durch Afrika, aber auch auf eine Reise zu sich selbst.


Franzi: Aus deiner ersten Fahrradtour, die dich gemeinsam mit einem Freund von Hamburg nach Freiburg führte wurden letztlich drei Jahre die du größtenteils alleine mit dem Rad um die Welt gefahren bist. Was hat dich dazu inspiriert so eine große Reise anzutreten?
Anselm: Meine vier Geschwister und ich haben immer schon den Drahtesel genutzt, um zur Schule oder zu Freunden zu fahren. Später habe ich auch die eine oder andere Radreise durch Europa gemacht. Warum ich mich letztendlich entschieden habe mit dem Rad durch Afrika zu reisen, weiß ich nicht mehr genau. Der Kontinent hatte schon immer eine besondere Faszination auf mich, es schien mir so weit weg von dem was ich gewohnt war und genau das wollte ich damals: Neues erkunden.

Franzi: Kannst du dich noch daran erinnern, was am Tag deiner Abreise durch deinen Kopf ging?
Anselm: Ich war ziemlich entspannt, vermutlich weil ich nicht wirklich einen festen Plan hatte. Ich hatte die Reise nur zwei Tage lang vorbereitet und alles total spontan entschieden. Meinen Freunden und meiner Familie gegenüber habe ich nichts von meinem Plan erwähnt und erst vom Flughafen aus angerufen und gesagt: Ich bin in Afrika. So konnte mich niemand verunsichern und ich mir nicht zu viele Sorgen machen. Bei verrückten Ideen ist es manchmal besser, niemanden zu involvieren und es erst mal für sich selbst zu machen.

Franzi: Am Anfang begleiten dich zwei deiner Freunde aus Berlin, doch zu deiner eigenen Überraschung, beschließen beide nach drei Monaten die Tour zu beenden. Plötzlich bist du konfrontiert mit der Entscheidung alleine weiterzureisen oder ebenfalls heimzukehren. Was geht einem in so einem Moment durch den Kopf?
Anselm: Ich war völlig geschockt von ihrer Entscheidung. Ich weiß noch genau, wie ich Stunden komplett orientierungslos herumgelaufen bin. Enttäuscht und mit wirren Szenarien im Kopf. Ich hatte nicht damit gerechnet, plötzlich alleine dort zu stehen. Alleine mit der Entscheidung entweder auch nach Hause oder weiter durch die Kalahari zu fahren. Ich habe ein paar Tage gebraucht, bis ich mich entscheiden konnte. Selbst da habe ich mir nur vorgenommen noch weitere fünf Wochen bis nach Namibia zu reisen und mir offen gelassen, von dort die Heimkehr anzutreten, wenn mir das Ganze zu groß wird. Aber dann bin ich doch weitergefahren. Durch Simbabwe, Sambia, Malawi, Tansania, Burundi, Ruanda, Uganda, Kenia, Äthiopien, und dann durch die Sahara in den Sudan weiter nach Ägypten.

Franzi: War dein Plan von Anfang an den Kontinent von Süden nach Norden zu durchqueren?
Anselm: Nein, die Route hat sich nach und nach entwickelt. Ich wusste in Südafrika nur, dass ich ein paar Wochen mit Daniel und Fabi fahren wollte. Und dann stand ich plötzlich allein da. Ich hatte nicht wirklich einen fixen Plan und das war auch gut so, sonst hätte ich mich davon zu sehr unter Druck gesetzt gefühlt. Ich bin Kilometer für Kilometer gefahren und habe dabei nie weiter als den nächsten Ort oder den nächsten Schlafplatz geschaut. Ein Jahr und 15.000 Km später stand ich dann schließlich im Norden des Kontinents.

Franzi: Es klingt so, als würdest du es gerne spontan halten. Kann man eine so große Reise vielleicht auch gar nicht komplett vorbereiten?
Anselm:Ich glaube, dass man eine solche Reise nicht weit im Voraus planen kann. Meiner Meinung nach ist die größte Herausforderung sich dem Unbekannten zu stellen. Man kann zwar eine genaue Route planen und teure Ausrüstung kaufen, aber wenn man dann unterwegs ist kommt ohnehin alles immer ganz anders.

Franzi: Wie war das Gefühl, plötzlich auf einem so fremden Kontinent mit sich allein zu sein?
Anselm: Ich glaube, dass viele von uns das Alleinsein scheuen und so ging es mir auch. Ich war es gewohnt immer unter dem Lärm der Gesellschaft zu sein und hatte Angst vor der Isolation. Unser Umfeld spiegelt uns ständig wieder, wer wir sind. Dieser Spiegel ist auf meiner Reise plötzlich weggefallen. Was sich vielleicht nach grenzenloser Freiheit anhört, war im ersten Moment ziemlich beängstigend. Ich war damit konfrontiert, mich mehr mit mir selbst auseinander zu setzen, mich selber zu definieren und auch mir selbst zu genügen. Das Reisen alleine war eine ständige Herausforderungen und nie ganz einfach.

Franzi: Wie gehst du mit den Herausforderungen auf so einer Reise um? Gab es Momente in denen du einfach alles hinschmeißen und den nächsten Flug nach Hause nehmen wolltest?
Anselm:Nach fast einem Jahr stand ich vor der Sahara, 3.000 Kilometer und vor mir nichts als Wüste. Ich wusste von Anfang an, dass es hart werden würde, aber das Schlimmste war dann der Gegenwind, der dort das ganze Jahr aus dem Norden bläst. Nach einigen Wochen Gegenwind, mit 7km/h auf einer flachen Straße, das hält man kaum aus. In solchen Situationen, ist nicht mehr die Muskelkraft entscheidend mit der man sein Rad vorwärts bewegt. Die Kraft die es braucht, sich solchen Herausforderungen zu stellen kommt von woanders: Man muss es wollen.

Franzi: Was waren schwierige Momente auf deiner Reise, die dich besonders geprägt haben?
Anselm: Ich habe auf der Reise darauf verzichtet Wasser zu kaufen und mich nur von den lokalen Brunnen und Flüssen versorgt. Dabei hatte ich auch Strecken wo es mal knapp wurde, wo Brunnen leer oder Pumpen defekt waren. Das waren einschneidende Erlebnisse. Aber ich bin dankbar, denn dadurch konnte ich eine der Grundbestimmungen unseres Lebens ganz unmittelbar und intensiv erleben. Wir brauchen alle Wasser und merken erst, wie wertvoll es ist, wenn es knapp wird.
Mehrere Male bin ich auch in die Nähe von Waffen gekommen. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, was für eine immense Wirkung so eine Kalaschnikow hat, wenn sie auf einen gerichtet wird. Plötzlich läuft das gewohnte Kräfteverhältnis völlig aus dem Ruder. Wenn einem so eine Übermacht gegenübersteht, reagiert man vollkommen instinktiv.

Franzi: Was hat dich an Afrika am meisten fasziniert?
Anselm: Am meisten hat es mich fasziniert, dass Zeit kaum eine Rolle spielt. Die Zukunft findet in fast keiner Unterhaltung statt, ja nicht mal in ihrem Denken hat sie einen wichtigen Platz. Damit entsteht eine totale Aufmerksamkeit für die Gegenwart. Das kam mir anfangs sehr fremd vor, aber ich habe immer mehr verstanden, wie logisch diese Art zu leben eigentlich ist.

Franzi: Was haben die Menschen dort in dir bewegt?
Anselm: Ich habe viele Teile Afrikas als unglaublich ehrlich, unvoreingenommen und interessiert erlebt. Reaktionen, Handlungen und Verhalten liegen viel näher an dem, was einen Menschen vom Inneren heraus steuert. Pur und kaum Aufgesetzt. Ich habe auf der Reise mit jeder neuen Erfahrung ein tieferes Vertrauen entwickelt und konnte mich dem Kontinent mehr und mehr öffnen. Ich war anfangs skeptisch, das färbte ab und kam zurück. Offenheit reflektiert sich in der Körpersprache, besonders wenn man sich nur über Lächeln und Handzeichen verständigen kann.

Franzi: Du hast deine gesamte Reise gefilmt. Hattest du von vornherein die Idee daraus später einen Film zu machen?
Anselm: Ab dem Moment, wo ich plötzlich allein war, habe ich angefangen meiner Kamera von meinen Gefühlen und Eindrücken zu erzählen. Das tat mir unglaublich gut, besonders zu Beginn in der Kalahari, dem einsamsten Gebiet Afrikas. Ich war es gewohnt mein Leben mit anderen zu teilen und so wurde meine Kamera mein treuer und oftmals einziger Begleiter. Das klingt vielleicht ein bisschen verrückt, aber manchmal entstanden sogar Dialoge. Irgendwann wurde es dann mehr zu einem Hobby neue Perspektiven und Einstellungen auszuprobieren. Die Idee aus den persönlichen Aufzeichnungen einen Film zu machen, kam über drei Jahre nach der Zeit in Afrika, als sich Jana, eine Freundin, meine Festplatte ausgeliehen und einen kleinen Teaser zusammengeschnitten hatte. Beim Anschauen dieses Zusammenschnittes, wurde mir klar, dass etwas aus dieser Geschichte entstehen wird.

Franzi: Einen Film zu produzieren ist sehr viel Arbeit, warum hast du dich dazu entschieden?
Anselm: Es hat nie wirklich einen Entschluss gegeben. Irgendwie entwickelte sich das von selbst, als ich den Teaser gesehen hatte und Jana sagte: „Anselm, deine Geschichte ist unglaublich kostbar und inspirierend für andere Menschen“.
Das ist nun 16 Monate her und seitdem hat sich ein kleines Team zusammengefunden und wir haben aus dem ganzen Material einen Film zusammengeschnitten. Es war spannend zu sehen, wie sich unser Projekt weiterentwickelt und wächst. Ich bin zwar allein durch Afrika gereist, aber diesen Film hätte ich allein niemals geschafft.

Franzi: Was wünschst du dir mit dem Film zu bewegen?
Anselm: Ich war auf der Suche nach einem großen Abenteuer und das habe ich auch gefunden. Der Film erzählt von der Schönheit Afrikas, von den herzlichen und offenen Menschen, denen ich begegnet bin, und der atemberaubenden, wilden Natur. Er gibt natürlich auch einen sehr ehrlichen Blick auf die Strapazen meiner Fahrradreise – ich habe weder Bus noch Bahn genutzt und darauf verzichtet, Trinkwasser zu kaufen. Denn ich wollte Afrika erleben, wie es wirklich ist. Die Geschichte veranschaulicht aber auch meine innere Reise, auf der ich gelernt habe, mit mir allein zu sein. Ich wünsche mir mit meiner Geschichte andere zu ermutigen sich selbst und dem Unbekannten zu stellen. Und zuletzt möchte ich einen ehrlichen Eindruck von einem Kontinent geben, von dem wir wenig wissen, obwohl wir so viel über ihn in den Medien hören.

Franzi: Hast du eigentlich Angst, dass dir das Ganze über den Kopf wächst?
Anselm: Ja, manchmal schon. Ich gebe im Film viel von mir preis und sobald der Film da draußen ist, kann ich nicht mehr steuern wer das sieht. Ich hatte anfangs vor, einen kurzen Film für meinen Bekanntenkreis zu schneiden, um das Gefühl Afrikas, welches mit Worten schwer zu beschreiben ist, für sie lebendig und greifbar zu machen. Daraus entwickelte sich nun ein größerer Film, dessen Wirkung und Reaktionen in gewisser Weise ein neues Abenteuer hervorruft.

Franzi: Nachdem sie deinen Film gesehen haben, werden einige Zuschauer bestimmt selber Fernweh verspüren. Hast du einen Tipp für Menschen die sich auf ein ähnliches Abenteuer begeben wollen?
Anselm: Vertraue immer deinem Instinkt. Das erste Gefühl gibt einem Recht, danach neigt man dazu diesen Impuls zu überdenken und eine Idee oder Handlung doch lieber zu lassen. Ich vertraue immer auf mein Bauchgefühl und überquere eine Brücke erst, wenn ich vor ihr stehe.

Franzi: Wie geht deine Reise weiter?
Anselm: Ich freue mich riesig auf die Begegnungen, die durch diesen Film entstehen und auf die neuen Aufgaben sie sich dadurch ergeben werden. Ich habe ansonsten für 2019 keinen Plan und auch das fühlt sich gut an.

Der Film, „Anderswo. Allein in Afrika“, läuft ab dem 13. Dezember 2018 in über 30 ausgewählten Kinos in Deutschland.
Alle Infos zur Kinotour unter:
www.Anderswoinafrika.de

Instagram @anderswo

Written by Franzi from Tales on Tyres

 

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