Der Overnighter


“But I know, and have always known, that we 20th-century humans need to escape at intervals from that alien world which has so abruptly replaced the environment that bred us. We need to be close, and opposed to, and sometimes subservient to, and always respectful of the physical realities of the planet we live on. We need to receive its pure silence and attend to its winds, to wade through its rivers and sweat under its sun, to plough through its sand and sleep on its bumps. Not all the time, but often enough for us to remember, that we are animals. Clever animals, yet ultimately dependent, like any other animal, on the forces of Nature.‘ – Dervla Murphy

Es ist doch eigentlich immer das Gleiche. Die Arbeit stresst, der Chef nervt, das Wochenende ist zu kurz, die Wohnung versinkt im Chaos und dann noch dieses ekelige Ich-sollte-eigentlich-doch-noch. Die Zeit verstreicht und wir träumen weiter. Vom Urlaub, den langen Ferien, dem befreienden Gefühls des Loslassens. Immer wieder scrollen wir durch unseren Instagram-feed, trösten uns mit den Abenteuern anderer. Lenken uns ab, weil morgen wieder Montag ist.

Doch manchmal muss es gar nicht die große weite Welt sein oder die zwei lang ersehnten Wochen Urlaub. Manchmal reicht es, nur ein Wochenende lang dem Alltag den Rücken zu zukehren. Overnighter, Microadventure oder altmodisch auch Wochenendausflug, du kannst es nennen wie du willst. Fakt ist: Wir sollten viel öfters unter freiem Himmel schlafen, draußen sein und anstelle von großen Abenteuer zu träumen, Kleine erleben.

Deswegen hier ein paar Tipps von uns, zum Umsetzen deines nächsten Overnighters.

Overnighter heißt mindestens eine Nacht.

Das ist vielleicht der wichtigste Grundsatz, den man beherzigen sollte. Samstagnachmittags, sich mit ein paar Stunde Radfahren bei Laune zu halten ist einfach nicht dasselbe, wie wirklich ein ganzes Wochenende lang unterwegs gewesen zu sein.

Lege gezielt ein Wochenende fest.

Schnappe dir deinen Kalender und lege ein Wochenende fest. Markiere ihn dir anschließend mit dem grellsten Textmarker, den du zur Hand hast, denn ab jetzt gilt: keine Ausreden und kein Aufschieben mehr. Die Welt muss an diesen Tagen auf dich warten.

Was wenn es regnet?

Zu kalt, zu nass, zu heiß, zu windig. Mach dich gedanklich vom Wetter und Umständen frei, die du nicht beeinflussen kannst. Finde dich damit ab, dass es vielleicht das ganze Wochenende regnen wird und versuche dich darauf einzustellen, statt den Ausflug zu canceln. Pack deine Regenjacke und ein paar extra Socken ein und los geht´s.

Vorfreude ist die schönste Freude.

Falls du einen Overnighter mit Freunden oder deinem Partner planst, warum nicht bei einem Bierchen oder bei einem gemütlichen Abendessen über der regionalen Landkarte sinnieren, um das kommende Wochenende gemeinsam zu planen?

Keep it simple.

Setze dich nicht mit unnötigen Vorbereitungen unter Stress und halte deine Planung so einfach wie möglich. Denke daran, du bist nur ein paar Tage unterwegs und nicht auf einer wochenlangen Expedition. Minimales und leichtes Gepäck erhöht nicht nur den Fahrspaß, sondern du verlierst auch nicht so viel Zeit mit dem Ein- und wieder Auspacken deiner Sachen. Eine gute Idee ist es, die benötigte Ausrüstung an einem bestimmten Ort zu lagern, so dass du sie nicht jedes Mal aufs Neue zusammensuchen musst.

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah…

Na, klar die bewaldeten Hügel hinter deinem Haus scheinen nicht so aufregend und exotisch auf den ersten Blick, aber darum geht es hier auch nicht. Konzentriere dich nicht darauf, unbedingt etwas Neues zu erkunden oder Strecken zu fahren, die du noch nicht kennst. Denn oft eignet sich auch die schon häufiger gefahrene Tagestour als ‘Microadventure’. Gerade deswegen, weil du sie endlich mal ganz ohne den Stress fahren kannst pünktlich wieder Zuhause sein zu müssen.

Ein anderer Ansatz kann auch sein, ein bestimmtes Ziel, ein Besuch oder eine Attraktion in den Fokus des Wochenendes zu rücken. Es gibt bestimmt irgendetwas Regionales, was du noch nicht kennst oder dir schon immer mal anschauen wolltest.

Kein ‘Microadventure’ ohne Abenteuer.

Sein Zelt einfach mal Zuhause lassen und sich der Herausforderung stellen, spontan einen geeigneten Unterschlupf zu finden oder unter freiem Himmel zu schlafen? Einen Trip vielleicht ganz allein zu unternehmen oder mit nur einem flüchtigen Bekannten? Suche dir etwas, was an diesem Wochenende deinen Horizont ein Stück erweitert, denn nichts fühlt sich besser an als die zähe Routine des Alltags auf diesem Weg ein klein wenig aus ihrer Reserve zu locken.

Das Wochenende ausklingen lassen.

Es ist Sonntagabend und das Wochenende war ein voller Erfolg. Dein Fahrrad ist schlammverschmiert, dein Tarp noch nass vom Regen der letzte Nacht, die Reste vom morgendlichen Frühstück kleben noch im Campinggeschirr und man selbst ist so angenehm erschöpft. Das ist wohl der schwierigste Teil des ‘Overnighters’, nämlich jetzt nicht alles einfach in die Ecke zu schmeißen und das Auspacken auf die kommenden Tage zu verschieben. Nimm dir stattdessen die Zeit und verstaue deine Ausrüstung direkt wieder. So ersparst du dir unnötigen Stress und dass das Wochenende am Ende doch noch einen faden Beigeschmack bekommt. An so einem Sonntagabend ist ‘Take away’ statt selber kochen für uns oftmals der feierliche Abschluss eines solchen Wochenendausflugs.

Und weil der Kaffee unter freiem Himmel einfach besser schmeckt.

Es war schön, aber dann machen wir es nicht wieder, vergessen wie gut es sich angefühlt hat, dieses eine Wochenende. Der Alltag kann echt fies sein und bevor wir uns versehen, bleibt unser guter Vorsatz auch wirklich nur ein guter Vorsatz. Dagegen hilft nur den Kühlschrank mit Fotos, selbst geschriebenen Postkarten und kleine Mitbringsel zu dekorieren, die nur so schreien: ”Man, war das geil. Mach’ das unbedingt bald mal wieder!”.

Written by Franzi from Tales on Tyres

 

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