Die Trans-Alp. Ein Klassiker im Bikepacking-Style.

Die Trans-Alp. Ein Klassiker.

Wir haben letzte Woche unsere erste Trans-Alp Tour absolviert. 600km von München bis ins italienische Riva am Gardasee. Auf alten Militärstrassen und flowigen Singletrails ging es stetig rauf und runter, einmal quer über die Alpen. Die gängigste Frage, die man aber nach so einer Tour wohl gestellt bekommt ist, nicht etwa wie es denn so gewesen sei, sondern welche Route man den letztendlich genommen hat. Trans-Alp ist nämlich nicht gleich Trans-Alp, sondern eine kleine Wissenschaft für sich.

Fangen wir am besten da an, wo auch alles anfing, nämlich mit dem bergverliebten Allgäuer Andi Heckmair. Der staatlich anerkannte Bergführer und leidenschaftliche Rennradfahrer, legte in den 90ern Jahren aus einer Laune heraus einfach ein Lineal auf eine Landkarte und suchte die kürzeste Strecke zwischen Oberstdorf und Bozen, einmal quer über die Berge. Was am Anfang wenig vielversprechend aussah, wurde im Juli 1990 die erste offizielle Transalp Strecke und ist bis heute das einzig wahre Original. Wahrscheinlich konnte er sich damals selber kaum vorstellen, welche Ausmaße das Ganze Jahre später annehmen würde, denn heute gibt es längst nicht mehr nur die “Heckmair-” sondern auch eine “Albrecht-” und “Joe-Route” und noch etliche mehr.

Welcher Alpencross passt zu mir?

Wer ein bisschen im Internet surft stößt schnell auf unzählige Varianten und Möglichkeiten für eine Alpenüberquerung. Je nach Schwierigkeitsgrad und Profil dauern sie meistens um die 5-8 Tage. Bei der Wahl der Ziel- und Startpunkte sind der Fantasie kein Ende gesetzt. Jetzt muss man nur noch wissen wie man mit der Qual der Wahl umgeht und eine geeignete Strecke für sich findet und da hilft nur lesen, schauen, gucken und die Gewissheit, dass man mit einer einzigen Tour nicht alles abfahren kann was man gerne würde. Schon vor unserem Trip war uns klar, dass wir es wahrscheinlich nicht bei einer Alpenüberquerung belassen werden können. Dafür gibt einfach zu viele spektakuläre Pässe, Schluchten und Täler.

Was brauche ich für so eine Tour?

Eigentlich nicht viel, denn egal wie man es angeht, leichtes Gepäck ist die Grundvoraussetzung. Ob man bei dem Rad ein Hardtail oder Fully wählt, ist dabei dem persönlichen Geschmack vollkommen überlassen, aber ein zuverlässiges Mountainbike sollte es schon sein. Ganz generell, sollte man aber auch auf jeden Fall, immer einen Satz warme und trockene Klamotten zum Wechseln dabei haben, Regensachen und ein bisschen Werkzeug für Notfallreparaturen am Rad, sowie ein gut bestücktes Erste-Hilfe-Set.
Entscheidender ist allerdings die Frage, ob man lieber ganz klassisch von Hütte-zu-Hütte radeln will oder ob man, wie es wir gewagt haben, eher unabhängig mit Schlafsack und Kocher in den Bergen biwakiert. Demnach braucht man noch ein paar Dinge mehr und sollte sich unbedingt mit der Rechtslage, was das Biwakieren und Wildcampen in den unterschiedlichen Ländern angeht, vertraut machen. Auch wer sich für die Hütten-Variante entscheidet sollte sich im Voraus informieren und muss gegebenenfalls in der einen oder andere Unterkunft ein Bett reservieren.

Wie bereite ich mich vor?

So ein Alpencross fährt man nicht so locker aus der Hüfte heraus. Die Anstiege sind oftmals lang sowie steil und kurze aber heftige Tragepassagen sind auch keine Seltenheit. Eine gewisse Grundfitness sollte man deswegen schon mitbringen. In der Regel schlagen die meisten Touren Tagesetappen von 50-70 km mit 1800m bis 2200m vor und diese sollte man schon zu bewältigen wissen. Also wenn man nicht regelmäßig radelt, sollte man am besten ein paar Monate vor der geplanten Tour unbedingt damit anfangen, aber auch Joggen und andere Ausdauer- und Kraftsportarten können dabei helfen, die Berge am Ende erfolgreich bezwingen zu können. Eine ganz andere Sache, die man auch unbedingt beherrschen sollte, ist der Umgang mit seinem GPS-Gerät, denn die Routen sind in der Regel nicht ausgeschildert und es gilt, nicht jeder Weg in den Alpen führt an den Gardasee.

Wann ist die beste Zeit für einen Alpencross?

Auch wenn der Sommer schon in den vollen Zügen liegt, sollte man keine Alpenüberquerung vor Mitte Juni wagen, denn auf den meisten Pässen wir dann noch Schnee liegen. Auch ist die Gefahr von Gewittern in den Bergen im Juni am höchsten und diese können einer erfolgreichen Alpenüberquerung am Ende wirklich im Wege stehen. Zwischen Mitte Juli bis Mitte September ist daher die beste Zeit ein solches Abenteuer zu wagen. Trotzdem sollte man immer auf jegliches Wetter in den Alpen eingestellt sein, besonders lange und ausgiebige Regenschauer sind dort keine Seltenheit, deswegen ist es besonders wichtig seine Ausrüstung wasserdicht zu verpacken.

Wie läuft das mit der Verpflegung?

Obwohl man sich oben in den Bergen schon so fühlen könnte, als wäre man alleine auf der Welt, ist in Wahrheit der nächste Supermarkt nie wirklich weit. Und diese braucht man auch, denn wer den ganzen Tag radelt, muss regelmäßig seine Kalorien aufstocken. Allerdings sind die Öffnungszeiten nicht immer ganz geradlinig und der ein oder andere Laden kann schon einmal während der Mittagszeit seine Pforten schließen. Wir standen einige Male vor verschlossenen Türen und mussten mit knurrenden Mägen weiterfahren. Im Gegensatz dazu, ist Wasser ist in der Regel sehr unproblematisch. In jedem Dorf kann man an den öffentlichen Brunnen seine Trinkflaschen auffüllen (Es sei denn, es ist mit dem Schild ‘Kein Trinkwasser’ als untauglich markiert). Wer sich auf seiner Tour mit Traditionellen und Regionalen verwöhnen will, findet in den Berghütten eine große Auswahl an hausgemachten und liebevoll zubereiteten Gerichten, oftmals sogar mit Zutaten von der eigenen Alm.

Wie komme ich zurück?

Da hat man eine Woche lang Alles gegeben und dann trifft man endlich, dreckig und verschwitzt in seinem Ziel ein und nach der ersten Euphorie, stellt sich dann auch schon bald die ernüchternde die Frage, wie kommt man eigentlich wieder zurück? Weil Riva einer der beliebtesten Endpunkte von Transalp Touren ist, gibt es von dort einen speziellen Shuttle Service nach Garmisch. Wem das zu teuer ist kann aber auch im 20km entfernten Rovereto in den Zug springen. Achtung, hier muss allerdings der Platz für das Rad eine Woche im Voraus reserviert werden.
Und zu guter Letzt noch ein Tipp vom Vater der Transalp, Andi Heckmair: „Ein wenig Regen am Anfang sollte keinen abschrecken!”

Written by Franzi from Tales on Tyres

 

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