Ein Wegweiser zum Planen von eigenen Routen

Bevor es um die Details geht, muss erst einmal feststehen, wohin die Reise gehen soll. Über die endlose Weite des Altiplano in Südamerika, durch dichte Wälder Kanadas oder willst du einfach direkt vor deiner Haustür starten? Vielleicht gibt es einen Ort, den du schon immer erkunden wolltest oder einer der zahlreichen Reiseblogs online hat dein Interesse für ein bestimmtes Gebiet geweckt. Nachdem du dich für eine Region entschieden hast, kann es nun mit folgenden Schritten andie eigentliche Routenplanung gehen. Ohne Zweifel, die einfachste Variante ist, es sich für eine bereits erprobte Strecke zu entscheiden, aber seien wir ehrlich, nichts ist aufregender als auf noch unerkundetem Grund die ersten Reifenspuren zu hinterlassen. Wir haben deswegen hier einige Gedanken und Tipps gesammelt, um für euch das Thema ein bisschen zu vereinfachen.

Überprüfe ob der Zeitraum deines geplanten Bikepacking-Trips sich mit der empfohlenen Reisesaison der Region überschneidet. Ist dem nicht so, bedeutet das nicht direkt das absolute Aus, sondern nur, dass du nochmal genauer schauen musst, was das im Detail bedeutet. Einige Regionen in der Nebensaison zu bereisen, kann sogar von Vorteil sein. Trails sind beispielsweise nicht so überlaufen mit Wanderern und Campingplätze kosten in der Regel weniger. Es kann aber auch bedeuten, dass Anlagen, Geschäfte und Touristeninformationen geschlossen sind. Darüber hinaus, solltest du dich vergewissern, dass angepeilte Bergpässe nicht schon oder noch eingeschneit sind oder eine Regenzeit geplante Waldwege und Singletrails bis hin zur Unbefahrbarkeit aufweicht.

Wähle einen geeigneten Ort für den Start- und Zielpunkt deiner Tour. Es ist von Vorteil, eine größere Stadt als Startpunkt bzw. Ziel für seine Reise zu wählen. Das gibt einem die Möglichkeit, bei internationalen Reisen seinen Jetlag auszukurieren, ein vergessenes Teil der Ausrüstung zu ersetzen oder die Chance sich für ein paar Tage in Ruhe zu akklimatisieren. Aber auch wenn man für seinen Bikepacking Trip nicht in die weite Ferne reist, größere Städte sind in der Regel logistisch gut an Bus- und Zugnetze angebunden, was die An- und Abreise erleichtert. Die Fahrradmitnahme in öffentlichen Verkehrsmittelen solltest du unbedingt im Voraus abklären. In deutschen Fernzügen muss ein Platz für dein Rad online mindestens einen Tag im Voraus reserviert werden. Wer auch ein bisschen extra Zeit vor Ort einplant, kann sich in einem Radladen oder in der Touristinformation noch mit hilfreichen Tipps und Empfehlungen versorgen, bevor es schließlich losgeht.

Wenn man den Rahmen der Tour grob abgesteckt hat, heißt es jetzt mit viel Geduld und Zeit anfangen, die Strecke zu planen. Wer dafür nicht auf umständliches Kartenmaterial zurückgreifen will, für denjenigen bietet das Programm von https://ridewithgps.com/, eine gute Grundlage für die erste Planung. Die Anwendung ermöglicht einem unter anderem das Wechseln zwischen einer klassischen Kartenansicht und einem Satellitenbild – so kann man leicht erkennen ob es sich um eine geteerte Straße, einen ungepflasterten Feldweg oder noch besser um einen Singletrack handelt. Anschließend kann man seine Route als KML- oder GPX-Datei exportieren und auf sein GPS oder Handy übertragen. Wem das komplette Aufstellen einer eigenen Route zu umfangreich ist kann sich auch von bereits Bestehenden inspirieren lassen. Apps wie Komoot und OSMand sind hervorragend, um Ideen zu sammeln. Es lohnt sich auf jeden Fall ein bisschen Zeit in die Recherche zu investieren. Obwohl die traditionellste Art eine Route zu planen, von A nach B ist, ist es besonders für einer Länge von 3-4 Tage, empfehlenswert einen ‘Loop’ in Erwägung zu ziehen.

Wir lieben es tagelang keiner Menschenseele zu begegnen und nur von gigantischen Bergen und ruhigen Wäldern umgeben zu sein, allerdings findet man dort meistens keine Supermärkte. Da aber auch unsere Rahmentasche ein Limit bezüglich ihres Fassungsvermögens hat, bleibt uns nichts anderes übrig, als hin und wieder in einem Dorf oder in der Stadt unseren Proviant aufzufüllen. Unser Tipp ist es allerdings, große Umwege und Abstecher zu vermeiden, stattdessen plane Orte und Städte in deine Route mit ein. Besonders wichtig ist auch, im Voraus deine Versorgung mit Trinkwasser auszukundschaften. Gibt es viele Seen und Flüsse oder bist du vielleicht aus hygienischen Gründen auf Wasser aus Plastikflaschen angewiesen? Aus unserer Erfahrung heraus ist es in Europa kein Problem Wasser aus der Leitung zu trinken. Für unsere Routenplanung bedeutet das, wo immer auch ein Haus steht und Menschen leben, planen wir damit, dort die Möglichkeit zu haben unsere Flaschen aufzufüllen.

Wild campen, Hostel oder übernachten in einer traditionellen Berghütte? Eine wichtige Frage ist, wo und wie man auf seiner Tour übernachten möchte. Für einige Reisende ist das Campen das A und O, andere bevorzugen die komfortable Variante und schlafen lieber in festen Unterkünften. Mit einem eigenem Zelt oder Biwaksack, Tarp und Isomatte unterwegs zu sein, ist unumstritten die flexibelste Variante, während das Nächtigen in Hostels oder Hotels ein wenig mehr Planung bedarf. Es setzt voraus, dass du jede Tagesetappe in einem Ort oder auf einer Berghütte beendest. Da in der Hauptsaison, speziell in den Alpen, die Unterkünfte sehr schnell ausgebucht sind, solltest du dir einen Schlafplatz auf jeden Fall im Voraus reservieren. Leider macht dies relativ unflexible und man kann sich nur schwer auf spontane Veränderungen einlassen. Entscheidet man sich zu campen, hilft es, sich mögliche Campingplätze während der Planung auf der Karte zu markieren. Für das sogenannte wilde campen und biwakieren braucht es keine detaillierte Planung, allerdings sollte man sich diesbezüglich mit der Rechtslage im jeweiligen Land vertraut machen. In Deutschland ist das Aufstellen eines Zeltes in der Natur zum Beispiel verboten, das Biwakieren allerdings erlaubt. Eine weitere Variante ist es, sich in dem Netzwerk https://www.warmshowers.org/ bei einem netten Gastgeber einen Platz auf dem Fußboden oder auf der Couch zu sichern. So spart man nicht nur Kosten für ein teures Hotel sondern lernt auch Land und Leute kennen.

Deine Route ist endlich fertig eingezeichnet und lässt schon jetzt dein Herz vor lauter Vorfreude höher schlagen. Auf dem ‘Papier’ sieht alles top auf: viele Singletrails, hohe Gebirgspässe und alles fernab der Zivilisation. Doch sollte so eine theoretisch geplante Route immer mit besonderer Vorsicht genossen werde. Singletrails und Feldwege können sich vor Ort auch schon mal als absolut unfahrbar entpuppen. Für solche Fälle lohnt es sich immer einen Plan B im Gepäck zu haben. Wir nennen ihn auch oft liebevoll unsere ‘Escape’-Route. Markiere dir naheliegende Schotter- oder auch Teerstrassen, damit du im gegebenen Fall auf diese ausweichen kannst.

Je nach Länge deiner Strecke plane Zeit für eine Pause ein. Ein weit verbreiteter Fehler ist es, keinen Puffer einzuplanen. Nimm dir genug Zeit auch mal eine Pause zu machen. Besonders wenn du deine Tour für länger als eine Woche ansetzt, ist ein wohlverdienter Pausentag besonders wichtig. Den Ort und Zeitpunkt für so eine Pause kann man spontan und je nach Bedürfnis wählen oder aber fest einplanen. Da wir hauptsächlich mit dem Zelt unterwegs sind und wildcampen, verbringen wir unseren Pausentag oftmals auf einem Campingplatz. Das gibt uns auf längeren Touren die Möglichkeit zu duschen, Klamotten zu waschen und die Kamera- und Handyakkus wieder aufzuladen. Beim Ausarbeiten des zeitlichen Rahmens deiner Reise, beherzige auch, dass Wetterumschwünge einem einen Strich durch eine zu straffe Zeitrechnung machen können. Zudem bleibt bei einer unerprobten Bikepackingstrecke immer ein gewisses Restrisiko bezüglich der Fahrbarkeit bestehen.

Natürlich klingt alles oftmals einfacher, als es am Ende ist, aber auch wenn es am Anfang verwirrend und kompliziert erscheint, kommt mit der Zeit eine Routine beim Planen von Routen. Also lass dich von vergangenen Misserfolgen,der schieren Masse an Informationen oder dem Handling von neuen Apps nicht abschrecken. Denn wer sich einmal wie ein Pionier gefühlt hat, dem fällt es in Zukunft schwer den Reifenspuren anderer zu folgen.

Written by Franzi from Tales on Tyres

 

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