ORTLIEB Ladiescamp in Slowenien – Let’s Ride Beyond Stereotypes

ORTLIEB Ladiescamp in Slowenien

„Wie soll ich denn bloß alles mitbekommen”, stöhnt Jaqueline, die bald aber alle nur Wilma nennen werden, am Rande der Verzweiflung. Ihre Rahmentasche scheint aus allen Nähten zu platzen. Es ist der erste Abend im sogenannten Ladiescamp. Die Stimmung ist gut, obwohl sich die Teilnehmerinnen kaum untereinander kennen und einige noch schwer mit ihrem Gepäck zu kämpfen haben.

Gemeinsam werden die acht teilnehmenden Frauen für die nächsten drei Tage mit dem Rad durch Slowenien reisen, von den Bergen bis zum Meer. Dabei wollen sie sich nicht nur auf das Nötigste beschränken und unter freiem Himmel schlafen, sondern auch beweisen, dass ‘Bikepacken’ ein Thema für Frauen ist.

Rebekka kommt Wilma schließlich zur Hilfe, gemeinsam packen sie noch einmal, sortieren die Sachen neu und am Ende staunt Wilma nicht schlecht als sie noch Stauraum übrig hat. „Den brauche ich auch dringend für meine Ration an Schokolade”, lacht die 32-jährige Mountainbikerin. Es ist ihre erste Bikepacking-Tour und auch für die anderen Teilnehmerinnen, ist diese Art des Reisens eine neue Erfahrung.

„Wir haben bewusst Frauen ausgesucht, die zwar Radfahren aber noch nicht so wirklich mit Bikepacking vertraut sind”, erklärt Rebekka das Konzept des ‘Ladiescamps’. Die Bloggerin hat in den letzten Monaten gemeinsam mit Ortlieb die Tour ‘Ride Beyond Stereotypes’ auf die Beine gestellt. Die Münchnerin ist selbst leidenschaftliche Rennradfahrerin und schon lange frustriert von der gewaltigen Unterpräsenz von Frauen in der Radwelt. „Die Radindustrie wird sehr von Männern dominiert und gerade das Thema Bikepacking scheint hauptsächlich an diese adressiert zu sein. Ich will mit Events wie diesem, Frauen inspirieren und ihre Präsenz in der Radwelt stärken.” Die Firma Ortlieb erkannte direkt worum es Rebekka ging, als sie vor einem Jahr auf der Eurobike ins Gespräch kamen. „Gemeinsam entstand die Idee, einen dreitägigen Bikepackingtrip nur für Frauen zu organisieren und so einen Rahmen zu schaffen, in dem Frauen sich untereinander austauschen können”, erläutert Kerstin von Ortlieb das Konzept.

Ride beyond stereotypes

Am nächsten Morgen versammeln sich die Teilnehmerinnen zum gemeinsamen Frühstück im Hostel Lukna. „Heute wird der härteste Tag unserer Tour”, warnt Rebekka die noch verschlafene Runde. „Wir klettern erst über den 1611 Meter hohen Vrsic Pass und dann geht es noch ein bisschen rauf-und-runter bis zu unserem ersten Campingplatz.” Doch niemand stöhnt, niemand ächzt, keiner beklagt sich. Im Gegenteil, alle freuen sich auf die gemeinsame Herausforderung.
Emmely, die Jüngste im Team ist die Erste draußen bei ihrem Rad, aber es dauert nicht lange und auch der Rest der Gruppe ist startbereit. Das anfängliche Tempo ist langsam, fast schon vorsichtig. „Ich will, dass jeder mitkommt. Das soll hier kein Einzelkampf werden, sondern wir wollen als Gruppe gemeinsam fahren.” Das ist Rebekka besonders wichtig, denn Konkurrenzkampf gibt es ihrer Meinung nach schon genug in dieser Welt. Am Berg reißt die Gruppe dann aber trotz aller guten Vorsätze doch auseinander. „Wir kennen uns alle noch kaum und fahren alle ein unterschiedliches Tempo. Trotzdem müssen wir eine Lösung finden, wie wir als Gruppe zusammenbleiben können.” Conny spricht die Situation, nach der Ankunft aller auf dem Gipfel direkt an: „Vielleicht sind es nicht die Höhen- und Strecken-Kilometer dieser Tour, die uns am Ende am meisten herausfordern werden.” Alle nicken, doch die Befürchtung bestätigt sich nicht. Die Kommunikation untereinander klappt und am Ende des Tages kommen alle gemeinsam im Camp an.

„Der Vrsic Pass war gar nicht so hart wie ich gedacht hatte”, während sich die anderen Teilnehmerinnen erschöpft ins weiche Gras fallen lassen, springt Emmely, scheinbar noch nicht ganz ausgelastet durchs Camp. Nach einer kurzen Pause werden schließlich die Schlafmatten und Schlafsäcke ausgerollt. Für das Essen ist an diesem Abend bereits gesorgt, eine Gruppe slowenischer Kayaker lädt zum gemeinsamen Grillen ein. Beim gemütlichen Lagerfeuer werden Geschichten, Erfahrungen und Ideen ausgetauscht, zwischen zwei Gruppen die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch eine große Leidenschaft teilen: das Abenteuer, draußen in der Natur.

Der nächste Morgen startet ein bisschen später als geplant. Mit noch verquollenen Augen schälen sich die Frauen aus ihren Schlafsäcken. Doch während alle zwar in Stille ihren Kaffee trinken, wird die Frage, ob man gut geschlafen habe, überraschenderweise doch von allen mit einem zufriedenen Nicken bestätigt. Auch das Packen und Anbringen der Bikepackingtaschen geht am zweiten Tag schon einfacher von der Hand. „Wenn man erst einmal raus hat, was man wo am besten verstaut und wie die Taschen am Fahrrad montiert werden, ist es eigentlich ganz einfach”, stellt Inga zufrieden fest.

Der zweite Tag

Am zweiten Tag führt die Strecke die Gruppe entlang des Flusses Soca. Das Wasser glitzert in den fantastischsten Blau- und Grüntönen und die entspannte Tagesetappe lädt immer wieder zum Verweilen entlang des Tals ein. Auch innerhalb der Gruppe scheint das Eis gebrochen. „Wir sind alle sehr unterschiedliche Frauen, haben verschiedenste Hintergründe und Vorstellung und doch kommen wir hier auf dieser Reise zusammen“, bemerkt Wilma. „Oftmals konzentrieren wir uns viel zu sehr auf das, was uns unterscheidet, anstatt uns auf das, was uns verbindet zu fokussieren. Rebekka fährt Rennrad, Inga ist leidenschaftliche Triathletin, Emmely reist gerne mit dem Rad und ich fahre hauptsächlich mit meinem Mountainbike. Aber am Ende teilen wir die gleiche Leidenschaft fürs Radfahren und können viel voneinander lernen.”

Auch das große Thema von der Rolle der Frauen in der Radindustrie kommt am zweiten Abend beim gemeinsamen Kochen auf. „Klar, kann man sich jetzt darüber streiten, warum wir die Farbe Pink im Logo für den ‘Ride Beyond Stereotypes’ verwendet haben”, fängt Rebekka an. „Aber warum eigentlich nicht? Müssen wir jetzt Dunkelblau oder Olivgrün verwenden, um als Frauen ernst genommen zu werden?” Es wird diskutiert und bald wird klar, dass das Thema auch unter den Frauen schon grundverschieden wahrgenommen wird. „Es ist sehr komplex und es gibt sehr viele verschiedene Meinungen dazu und jede Sichtweise hat ihre eigene Grundlage und Berechtigung. Das war auch eine große Herausforderung bei der Erstellung des Konzeptes zum ‘Ride Beyond Stereotypes’“, erklärt Rebekka. „Aber mit diesem Event hoffen wir eine Diskussion anzufeuern, die unserer Meinung nach geführt werden muss. Wir wollen einen Dialog anregen, bei dem wir am Ende nicht einer Meinung sein müssen, aber der das Thema anpackt und zu einer Diskussion einlädt.”

Auch die zweite Nacht wird unter freiem Himmel geschlafen und als die Gruppe die letzte Etappe am nächsten Morgen anbricht, wirkt sie schon sehr routiniert, wenn doch ein bisschen müder als an den vorherigen Tagen. „Heute spüre ich definitiv die Kilometer der letzten beiden Tage“, lacht Inga. Zum Abschluss steht aber noch einmal eine längere Etappe an. “Lange Pausen werden heute nicht drin sein”, warnt Rebekka die Gruppe vor der Abfahrt. Doch niemand beschwert sich, stattdessen motiviert Emmely die Gruppe mit einem lauten ´Das schaffen wir schon!´

Das Ziel erreicht

Und nach 6 Stunden im Sattel und 1400 erklommenen Höhenmeter können sie dann zum ersten Mal das Meer riechen und kurz darauf weicht auch die endlos scheinende grüne Hügellandschaft dem unendlichen Blau. „Von den Bergen bis zum Meer”, seufzt Julia poetisch, die auf Grund einer hartnäckigen Erkältung nur die letzte Etappe der Reise mitradeln konnte, als die Frauen schließlich die Hafenmauer erreichen. „Jetzt will ich aber endlich ein Eis”, durchbricht Wilma schließlich die schon fast andächtige Stimmung. Alle lachen, das war klar, denn Wilma hatte heute schon den ganzen Tag von nichts anderem geredet. Gemeinsam schieben sie die Räder zu der nahe gelegenen Eisdiele und gönnen sich zum Abschluss, das von Wilma schon heiß ersehnte Eis. „Eine Dusche wäre jetzt auch nicht schlecht”, bemerkt Inga mit einem Blick auf ihre dreckigen Beine. Lachend lassen die Frauen die Ereignisse der letzten Tage Revue passieren. Viel ist passiert, aber wenig schief gegangen. Lediglich ein kleiner Sturz, kein Platten, kein Streit. Am Ende, nur acht zufriedene Gesichter von Frauen die in den letzten Tagen vieles geteilt und erlebt haben. Acht Frauen, die hoffen mit dem ‘Ride Beyond Stereotype’ ein Zeichen gesetzt zu haben, auf ihre ganz eigene Art und Weise und doch gemeinsam.

Mehr zum ORTLIEB Ladiescamp Ride beyond stereotypes.

Written by Franzi from Tales on Tyres

 

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