Tourplanung & Offline Navigation

Kaum ein anderer Bereich hat sich in den letzten Jahren so rasant entwickelt wie die Navigation. Wir erinnern uns noch gut daran, wie wir uns vor fünfzehn Jahren mit handgezeichneten Kartenskizzen und Kompass in die einsamen Hochtäler der Anden vorgewagt haben. Wie richtige Pioniere haben wir uns damals gefühlt, die Distanzen für nachfolgende Radler sorgfältig mit dem Radcomputer ausgemessen und jede Abzweigung in einem kleinen Heft notiert. Digitale offline Karten, der einfache Zugriff auf Satellitenbilder und die Smartphone GPS Technik haben in den letzten zehn Jahren das Fahrradreisen für immer verändert und bieten fantastische Möglichkeiten in der Routenwahl.

Gerät & Stromversorgung

Wir nutzen für die Tourenplanung und Navigation ein simples Smartphone. Beim Kauf des Phones haben wir auf eine möglichst lange Akkulaufzeit, einen relativ schnellen Prozessor und einen etwas grösseren Bildschirm geachtet. Geeignete Smartphones gibt es schon für 120 Euro.

Aus unserer Sicht gibt es keinen Grund mehr, in ein teures GPS Gerät zu investieren. Das Smartphone kann alles (oder mehr), was ein GPS Gerät kann, hat bei der Nutzung im Flugmodus eine Akkulaufzeit von zwei Tagen, ist billiger und reduziert den Elektropark in den Taschen um ein weiteres Gerät. Zusammen mit einer kleinen Powerbank (früher Ersatzbatterien fürs GPS…) können wir das Smartphone bis zu sechs Tagen ohne Steckdose betreiben. Und das reicht in der Regel auch für die abgelegene Tour.

Navigation Bikepacking

Hilfreiche Tipps zum Navigieren und zur Tourenplanung

Apps

Auf dem Phone haben wir die Apps GAIA GPS, OSMand+ und GoogleEarth für die Routenplanung und Navigation installiert. Mit diesen drei Apps lassen sich sowohl abgelegene Wildnisrouten planen und navigieren, als auch den Weg aus dem Grossstadtdschungel finden. Alle drei Apps gibt es für Android und IOS Systeme.

GAIA GPS: Nachdem wir viele verschiedene Apps ausprobiert haben, behaupten wir, dass GAIA zur Zeit die einzige brauchbare App zur offroad Routenplanung auf einem Smartphone / Tablet Bildschirm ist. Über den Touchscreen lassen sich Tracks im „Strassen-Folgen“ Modus zeichnen und schnell Distanzen messen. Sind Routen noch nicht sauber kartographiert, kann man diese nahtlos ohne die „Snap to road“ Funktion frei weiterzeichnen. Der erstellte Track zeigt nebst Distanz und Höhenprofil auch Gesamtauf- und -abstieg an. Zusätzlich können schnell Waypoints gesetzt und beschriftet werden. Die Bedienung mit dem Finger ist intuitiv und funktioniert auch auf kleineren Screens ausgezeichnet. GAIA bietet zudem ein sehr umfangreiches offline Kartensortiment an, das neben den herkömmlichen Openstreetmap Karten auch TOPO Karten (z.B. USGS) beinhaltet. Der unbegrenzte Kartendownload ist beim Kauf der App mit dabei. Offlinekarten können entweder über ein Feld selbst ausgewählt werden, oder aber man lässt sich einfach die Karten entlang der gezeichneten Route automatisch herunterladen. Es kann unter verschiedenen Auflösungen ausgewählt werden. Nachteil: Detaillierte Offlinekarten sind relativ gross, das Herunterladen mit schlechter Internetverbindung kann daher dauern. Wir nutzen GAIA auch zum täglichen Tracken, da wir keinen Fahrradcomputer mehr am Rad haben.

OSMand+: Diese App brauchen wir vor allem für die Strassennavigation und die Ad Hoc Routenplanung in besiedelten Gebieten. Sie verfügt über automatische Fahrradroutenberechnung, Stimmführung und eine ausgezeichnete Suchfunktion (und das alles offline!). Funktionen, welche GAIA nicht mitbringt. Dafür ist keine Trackzeichnung möglich, die Menuführung etwas kompliziert und die Kartenauswahl auf Openstreetmap Karten begrenzt. OSMand+ benützt Vektorkarten, diese halten den Download klein, Hotels, Restaurants, wichtige touristische Sehenswürdigkeiten, etc. sind eingetragen und ermöglichen gerade in erschlossenen Regionen eine einfache Orientierung. Es lassen sich ganze Länderkarten herunterladen und bei entsprechendem Download gibt es die Möglichkeit, sich Höhenlinien und Schattierungen anzeigen zu lassen.

Google Earth: Manchmal lässt sich aus dem blossen Kartenbild schwer herauslesen, welche Route sich landschaftlich am meisten lohnt und da schafft ein Blick auf das Satellitenbild von GoogleEarth schnell eine Entscheidungsgrundlage. Es ermöglicht zudem neben einem ersten landschaftlichen Eindruck auch ein Abschätzen der Strassenverhältnisse. Auch sind längst noch nicht alle Pisten und Trails kartographiert und gerade in abgelegenen Weltregionen greifen wir oft auf Satellitenbilder zurück, um zu prüfen, ob beispielsweise Brücken existieren und eine Piste in Wirklichkeit vielleicht doch weiter führt als auf der Karte.

Navigation und Tourenplanung

Tipps und Tricks für die Tourenplanung

Tourenplanung

Auslöser für den Besuch einer Region und eine vertiefte Tourenplanung sind für uns oft irgendwelche Informationsschnitzel und Bilder, die wir so nebenbei irgendwo aufgeschnappt oder gesehen haben. Manchmal ist es bloss ein Instagram Bild, manchmal ein Tourenbeschrieb eines spezialisierten Abenteuerreiseunternehmens oder ein inspirierender Blog, der uns zum eigenen Erkunden herausfordert. Und so beginnt eine Tourenplanung für uns meist mit einer Informations- und Bildersuche über google und youtube. Erst nach diesem ersten Vorsondieren vertiefen wir uns dann weiter ins Kartenmaterial. In der GAIA App zeichnen wir einen Track, folgen dabei kartographierten Pisten und schliessen Lücken mit der Hilfe von Satellitenbildern.

Nachdem Distanz und Höhenprofil feststehen, geht es in einem nächsten Schritt um die zeitliche Planung, Wasserstellen und Versorgungsmöglichkeiten. Wir wissen aus Erfahrung, wie weit wir pro Tag etwa fahren können. Diese Erfahrungswerte und das Herausfinden von Wasserquellen und Versorgungspunkten (Setzen von Waypoints) machen es möglich, den Proviant- und Wasserbedarf zu berechnen. Danach laden wir die passenden Karten zum Offlinegebrauch in OSMand+ (und bei guter Internetverbindung auch im GAIA) herunter.

Obwohl die Tourenplanung heute oft digital stattfindet, versuchen wir im letzten Schritt bei abgelegenen Routen trotzdem noch vor Ort direkte Informationen einzuholen. Nicht immer sind Satellitenbilder aktuell, manch eine Brücke kann im letzten Hochwasser weggerissen worden sein und ob Wasserquellen zuverlässig sind und wie der Strassenzustand ist, weiss auch im digitalen Zeitalter ein Einheimischer immer noch am Besten.

Und was, wenn die Technik versagt? Das ist uns bis jetzt noch nie passiert. Aber bei abgelegenen Routen machen wir ein Backup auf unser Tablet. Damit haben wir zumindest ein Ersatzgerät mit allen Karten und Tracks zur Hand. Und wem dies nicht genug ist: GAIA Pro verfügt über eine Druckfunktion.

© bikepackground.com

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